Goodbye Madrid.

July 25th, 2008

2 Jahre Madrid.

Mir bleiben also noch genau 20h bis ich spanischen Boden verlasse.

24h um Abschied zu nehmen. Heute habe ich noch ein letztes Mal unterrichtet, Geschenke und ein Wahnsinns-Empfehlungsschreiben bekommen und noch ein Mal durch Madrid gelaufen, mir alles angeschaut, 7h die Sonne genossen und Abschied genommen.

24h um zu resümieren. Was hat mir der Auslandsaufenthalt gebracht. Was mag ich an Spanien? Mit welchen Eigenheiten komme ich bis heute nicht klar? Wie hat sich langsam aber sicher in die anfängliche Erasmus-Party-Euphorie der Alltag eingeschlichen? Wie hab’ ich mich verändert?

Nun, über diese Dinge habe ich schon oft nachgedacht. Allein aufgeschrieben habe ich sie noch nie. Genug Zeit zum Nachdenken hat man ja beim Laufen genug. Aber nicht nur dabei. Auch wenn ich durch die Gassen gehe, im Supermarkt einkaufe oder einfach im Park die Menschen beobachte, denke ich drüber nach - wie mich Spanien geprägt hat.

Nun, wie schon erwähnt, waren die ersten 6 Monate durch Parties, vielen neuen, interessanten und internationalen Freunden und diesen gesamte Eramus-Dingens geprägt. Feiernd in unsere damaligen WG und anderen, Strassenspanisch lernend und die Kultur der iberischen Halbinsel entdeckend verging das erste halbe Jahr wie im Fluge.


Halloween in Madrid.
tino seeber madrid wg party
WG Party: Damien.
semana santa ostern in spanien
Ostern in Spanien: Semana Santa.
madrid retiro amigos
Madrid Retiro Park: Amigos.
silvester madrid sol
Silvester 06/07 im Zentrum Madrids - im Zentrum Spaniens.

Erasmus-Party-Zeit: Wer findet das Wortspiel?

Das zweite Semester war geprägt mit der Planung und Umsetzung meiner Diplomarbeit. Erste Freunde verließen Madrid - ihr Erasmusstipendium ging nur 6 Monate. Die meisten jedoch blieben ein Jahr. Gleichzeitig sprach sich mein Name an der Deutschen Schule Madrid herum und Anzahl meiner Zöglinge verdreifachte sich von 2 auf 6 pro Woche.

tino seeber madrid
Madrid, Uni und so …

Im Juli 2007 war die Diplomarbeit geschrieben und ich hatte mir einen Urlaub verdient. Backpacking in Marokko und einige Wochen Deutschland standen auf dem Programm. Madrid wurde indes auch leere. Erasmus-Freunde, mit denen man seit einem Jahr gelebt gefeiert und gelernt hatte, kehren zurück in Ihre Heimat. Ich bin jetzt kein Student mehr. Karrere machen reizt mich noch nicht. Ich möchte noch etwas die Sonne genießen. Sauge Wissen auf, sitze im Café und lese viel - Bohemien Livestyle. Mittlerweile unterrichte ich bis zu 11 Kinder in der Woche. Zu viel - denn ich möchte noch Spaß dabei haben. Ich beschränke mich auf 8 in der Woche - 15h pro Woche reichen. Nebenbei beginne ich mit einer Buchversion meiner Diplomarbeit.

Januar 2008 wächst in mir der Wunsch, nach Deutschland zurückzukehren. Deutschland oder die Schweiz. Ich vermisse die Freundlichkeit, die Bildung und die gute Erziehung. Dieses ist leider in Spanien Mangelware. Man weiß erst, wie gut man es in Deutschland hat, wenn man mal länger im Ausland gelebt hat. Wer sich über unfreundliche Kassiererinnen in Deutschland beschwert, soll mal nach Spanien kommen …

Spanische Langsamkeit mag ja ganz angenehm sein - und sie hat mich in jedem Fall auch ruhiger und gelassener gemacht. Aber an eins konnte ich mich nie gewöhnen - die Rücksichtslosigkeit der Spanier. Sie denken nur an sich - bleiben im Weg stehen. Nicht, dass sie es böse meinen - allein sie merken es nicht. Ein andere Spanier merkt das auch gar nicht, wenn da jemand einfach im Eingang eines Ladens selbigen versperrt, weil er sich mit einem anderen grad so schön unterhält. Oder noch besser, wenn der Spanier direkt am Ende der Rolltreppe stehen bleibt, um erst mal zu überlegen, wohin er denn will. Dass noch anderen hinter ihm sein könnten - ist ihm einfach nicht bewusst.

Ich habe das daher ausgiebig beobachtet und analysiert, warum er das nicht merkt: Weil er es nicht beigebracht bekommt. Deutsche Eltern nehmen zum Beispiel ihr Kind zur Seite oder ermahnen es, Platz zu machen, wenn jemand vorbei will. Nicht so in Spanien. Die Erziehung von Hause aus ist allgemein deutlich ausbaufähig. Mag sein, dass ich zu spießig bin - aber ich halte es für anstandslos beim Essen zu schmatzen. Was Spanier davon halten, wird deutlich, wenn man weiß, dass es für das deutsche Wort “schmatzen” gar kein spanischen Pendant gibt …

Dass der Spanier Entgegenkommen und Anstand gegenüber Fremden (z.b. auf der Straße) kennt, wird besonders in Folgender Situation deutlich, die mir jedesmal passiert: Ich sehe, dass jemand irgendwo vorbei möchte und warte - ich lasse ihm gerne den Vortritt. Nordeuropäer würden meine Geste verstehen udn ebenfalls hinter mir warten - nicht so Spanier. Die merken gar nicht warum ich warte und drängeln sich einfach vor - ich könnte ja einfach so wie viele von Ihnen einfach so in der Gegend rumstehen. Mit diesem Verhalten und anderen Eigenarten, die meines Erachtens auf fehlender - oder “anderer” Erziehung beruht, nicht ich nie klar gekommen. Mich nervt das - nein, mich ärgert sowas.

Ich merke, dass dies kein Land ist, in dem ich ewig bleiben will. Dazu ist der Verdienst mager, die Mieten und Lebenshaltungskosten doppelt so hoch wie in Deutschland. Ich plane 3 Projekte und setzte mir eine Deadline. Die Verfolgung und Umsetzung dieser Projekte prägen die letzte Phase meines Auslandsaufenthaltes. Sicherlich gibt es auch Dinge, die ich vermissen werde - die Spanierinnen und die Sonne. Anmerken möchte ich außerdem, dass ich mich bei den spanischen Familien meiner Kiddies immer sehr sehr wohl gefühlt habe, herzlich empfangen wurde und oft zu Tisch geblieben bin. Diese Familien waren und sind aber die oberen 10.000 Madrids - und somit eine Ausnahme.

Projekt 1: Buch
Projekt 2: Job
Projekt 3: Marathon

Projekt zwei ist also die Rückkehr nach Deutschland, Job, Karriere und Kinder. Nun ja, ich werde 30. Ich sollte mal anfangen. Meine Kinder hier werde ich vermissen. Sehr sogar. Sie haben mich geprägt und ich hoffe sie können selbiges auch von mir sagen. Sie haben mir gezeigt, was ich am Besten kann: Motivieren und auf Menschen eingehen. Komplexe Sachverhalte einfach erklären. Leyre wendet heute lieber die Quadratische Ergänzung an (als die p-q Formel) zur Lösung quadratischer Gleichungssysteme … Auch ich habe eine Menge gelernt: 10 Jahre nach meinem Physik und Mathe Abitur ist mein analytischer Verstand und die mathematische Problemlösungsgabe schärfer als je zu vor. Als Lehrer ist man eben anders motiviert.

tino seeber sprung salto
Seit Beginn und ansteckend: der obligatorische Sprung!
metro madrid sprung damien und georg
Unterirdisch: Georg und Damien.
familie seeber springt
Salto familiar.
tino seeber springt salto arriba madrid
Meister.
leyre spingt
Leyre springt.
metro salto tino seeber
Timetunnel.

Besuch aus Ilmenau: Niko & Nico
madrid ventas tino seeber sprung
Ventas: Stierkampfarena

Wer im Ausland lebt, bekommt zudem eine andere Sicht auf seine Muttersprache. Wir plappern einfach unsere Deutsch hinaus ohne viel darüber nachzudenken. Deutsch ist für mich etwas fremder geworden. Mag sein, dass dies für andere Studenten hier nicht zu trifft. Vielleicht hängt es auch eher damit zusammen, dass man als Deutschlehrer für ausländische Kinder die Sprache automatisch ganz anders sehen muss. Wir nutzen den Dativ und Akkusativ intuitiv. Dass es dafür feste Regeln und bestimmte Präpositionen wie z.B. vor, über, auf, mit etc. gibt, wissen die Wenigsten. Und gefährlich wird es bei Wechselpräpositionen, wo einmal der Dativ, ein anderes Mal der Akkusitiv stehen kann - von der akkuraten Bildung und Verwendung des Konjunktiv I und II einmal ganz abgesehen … Die Rolle des Lehrers hat daher auch sehr viel für mich gebracht. Paradoxerweise habe ich im Ausland dadurch die Deutsche Sprache und ihre Feinheiten besser kennen gelernt, als man sie in Deutschland lernen kann.

Wechselpräposition “auf”:

- ich stelle die Vase auf den Tisch (Akk.)
- die Vase steht auf dem Tisch (Dat.)

Erklär das jetzt mal einem Nicht-Deutsch-Muttersprachler …

Mir bleiben noch einige Stunden bis der Flieger geht. Dies ist der letzte Blogeintrag aus Madrid. Der Mac ist als Letztes noch nicht eingepackt. Ich freu’ mich riesig auf Deutschland und meinen Job. Ich habe eine klasse Wohnung direkt - und ideal zum Laufen direkt nebem einem Park.

Und was wäre ein so bedeutender Eintrag ohne Bilderrätsel? Genau! Wer die Stadt, besser der Stadtteil (wo der Park ist) errät, erhält ein handsigniertes Buchexemplar (ich verhandele nochmal mit dem Verlag über Freiexemplare für meine Leser^^ …).


Neue Heimat Deutschland: Wo?

Projekt 1: Ich schreib’ dann ma.

April 12th, 2008

Nachdem Projekt No. 3 ja schon bekannt ist, wird es Zeit, die No. 1 vorzustellen:

Nach Abgabe meiner Diplomarbeit kam der vwh-Verlag auf mich zu und bot mir an, meine Studie zu verlegen. Die letzten Monaten drehten also neben Unterrichten, Marathon Training und Aufenthalten in Deutschland um die Erstellung der Buchversion. Umschreiben, Löschen, Neuverfassen. So ein Verlagslektor kann sehr stressig sein … aber alles in allem war es ein sehr gutes und professionelles Arbeiten.

Vorwort

Der Demokratie immanent ist die Gewaltenteilung. Unlängst wurden Legislative, Judikative und Exekutive durch eine vierte Gewalt – die Presse – erweitert. Doch wer kontrolliert die Presse? Können einzelne Menschen oder Gruppen ihre Stimmen gegen die Meinungsmacht der Massenmedien erheben? Dieses Buch, entstanden aus einer Diplomarbeit am Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaft der TU Ilmenau, geht empirisch der Frage nach, ob Weblogs jene fünfte Gewalt entfalten können.

Danken möchte ich allen beteiligten Blog-Schreibern und -Lesern, ohne deren Mithilfe diese Studie nicht zustande gekommen wäre. Meinen besonderen Dank möchte ich den Helfern und Unterstützern Rahel Aebischer, Annelie Hanf, Annelie Prozell, Oliver Lambrecht, Tilo Probst, Paul Schneider sowie meinem Lektor Werner Hülsbusch aussprechen.

Madrid, im März 2008
Tino Seeber


Tino Seeber: Weblogs - die 5. Gewalt? - vwh Verlag

Klappentext

In den vergangen Jahren hat sich das Phänomen des Bloggens in Deutschland stetig weiterentwickelt. Neben einer Übersicht zu den aktuellen Forschungen bezüglich dieses neuen Kommunikationsmediums, der Nachzeichnung seiner Entwicklung und der grundlegenden Darstellung technischer Hintergründe widmet sich diese Arbeit im Kern der Frage, inwiefern Weblogs als neue Form des Publizierens zu einem emanzipatorischen Gebrauch führen.

Ausgehend von dem Uses-and-Gratifications-Ansatz, den Arbeiten Berthold Brechts und der Medientheorie Hans Magnus Enzensbergers sowie auf der Basis einer standardisierten Online-Befragung deutschsprachiger Blogger und Blog-Leser entsteht ein umfassender Einblick in das emanzipatorische Rollenverständnis der Blogger sowie die Nutzungsmerkmale der Weblog-Rezipienten im Vergleich zur klassischen Mediennutzung.

Inhaltsverzeichnis

Der vwh-Verlag ist übrigens Medienpartner des eduCamps an der TU-Ilmenau (18-20. April). Da werden sich sicherlich viele freuen, mein Buch dort kaufen zu dürfen … haha!

Für meine spanischen Freunde, die mich immer fragen, über was ich da eigentlich geschrieben habe, gibt’s hier eine kurze Zusammenfassung auf spanisch:

Nun sind die Projekte 1 und 3 bekannt. Fehlt noch No. 2. Selbiges befindet sich auf der Zielgeraden - Deadline ist ja Juni

Orbaidn.

July 7th, 2007

So, nun fragt sich alle Welt von Oma, Papa, Freunden bis Ehefrau, was denn nun kommt nach dem Diplom.

Was machst du denn jetzt?

Nun, ich werd’ mir ‘ne Arbeit suchen - eine die mir gefällt, wo das Geld stimmt und die mir vor allem Spaß macht. Und wo’s Sonne gibt. Zeit spielt keine Rolle. Deutsche Hektik sowieso nicht. Ich werde erst einmal reisen. Vielleicht wird’s ‘ne Weltreise. Und vielleicht bleibe ich dann irgendwo, wo’s mit gefällt. Vielleicht mache ich auch mein Dr. - denn Forschung hat mir Spaß gemacht.

Irgendein Typ hat mal gesagt, man ist dann in eine Job erfolgreich, wenn man ihn gerne macht. Ich glaube er meinte damit, dass man ihn so gerne macht, dass man es auch ohne Geld machen würde.

So wie ich mit dem Unterrichten von Kindern und Jugendlichen. In Dubai z.B. wird eine Deutsche Grundschule aufgebaut und dringend Lehrer gesucht. In Guatemala auch.

Ich habe immer gesagt, wer arbeitslos ist, ist oft selbst schuld. Es gibt genug Jobs - weltweit. Und wer so was sagt, der muss sich auch daran messen lassen. Nur die meisten Heimscheißer wollen ja bei Mama & Co bleiben - sie studieren ja nicht einmal außerhalb ihres Bundeslandes …

Weltweit impliziert auch Deutschland. Jedoch müsste für eine Rückkehr in jenes spießige, überwachungsstaatliche Land, welches Orte wie Ilmenau sein eigen nennt, der Gehaltsbonus üppig ausfallen.

Deutsch …

April 21st, 2007

sein ist nicht schwer.

Deutsch können hingegen sehr.

Mein Reden. Und ich will gar nicht wissen, wie es um die Ilmenauer Maschinenbauer, Informatiker und Elektrotechniker bestellt ist.

Vielleicht hätte man jemanden fragen sollen, der sich damit auskennt.

Para mis Niños: DSDS.

February 5th, 2007

Meine Niños lesen ja auch den Blog. Naja lesen weher weniger - ich solle doch mehr Videos bringen. Nun gut, weil’s Halbjahreszeugnisse gab, hier zwei Videos, wie die Leute so in Deutschland sind:

Da fragt man sich, weshalb die Eltern nicht mal ehrlich sind und sagen: Man du bist scheiße - lass es! Aber für gewöhnlich fällt der Apfel halt nicht weit vom Stamm …

Frau und blond - ohne weiteren Kommentar.

Salto de Leyre.

January 24th, 2007

Eine meiner niñas:

Neben Deutsch, Mathe und Physik wurde auch die richtige Sprungtechnik vom Meister erlernt. Und wie man sieht, sind die Ähnlichkeiten unübersehbar.

Als Hausaufgabe gibt’s übrigens den Film und die Interpretation zu Little Miss Sunshine.

Dreharbeiten.

November 28th, 2006

Einfach mal angucken. Das Video schnippeln war meine Sonntagsbeschäftigung. Zur Entspannung.

Als Erasmusstudent ist man ja nicht nur Blogger Gast in einem fremden Land - man ist in auch Botschafter. Herr S. zumindest. Und deswegen lernen nicht nur meine Niños deutsch sprechen und schreiben, sondern auch die Kommillitonen an meiner Uni. Samt Goethes Zauberlehrling. Aber seht selbst …

Wer das Wortspiel im Clip findet, bekommt ‘ne Gastrolle …

Be Continued.

Für alle *hust* Windows User, die das Video nicht sehen können, hier der Codec.

Salamanca.

November 16th, 2006

Das scheint sich in Salamanca rumzusprechen. Bis auf Montag ist Profesor S. jeden Tag ausgebucht.

Vielleicht sollte ich mich mal bei der Deutschen Schule Madrid bewerben …