studiVZ Zahlen brechen fast 25% ein.

July 10th, 2008

Es ist nun etwas mehr als als 2 Wochen her, dass ich dem facebook-Klon studiVZ den Rücken gekehrt habe und zum Original gewechselt bin.

Der harte Kern meines Freundeskreises war schon bei facebook oder folgte zeitnah - etwa 30% meiner besten studiVZ Freunde sind bisher desertiert und gefolgt.

Merklich ruhig wird es indes auf der Netzwerk-Kopie. Zumindest bekomme ich diesen Eindruck, wenn ich ab und zu noch bei studiVZ reinschaue: Weniger Gruscheln, weniger Post, weniger Profilbesuche, weniger Gruppenaktivität, weniger Pinnwandeinträge.

Klar, man selbst sei ja jetzt bei facebook und nur noch eine Datensatzleiche auf den studiVZ-Servern in den Kellern von O2, werden die Klon-Enthusiasten mir scharf entgegnen.

Zu Recht.
Denn wer solle mir denn noch auf dieser Plagiat-Plattform schreiben, wenn meine Freunde und ich längst zum Original gewechselt sind?

Dennoch bleibt jener fahle, langweilige Eindruck, dass bei der StudentInnen-Plattform aus dem Hause Holtzbrinck derzeit deutlich weniger los ist als früher.

Klar, dies sei subjektiv und mit Fakten nicht belegbar, werden mir die Klon-Jünger diesmal an den Kopf werfen.

Zu Recht?
Als Medienfachmann und Netzwerk-Geek bekommt man irgendwann ein Gespür dafür. Gefühle sind das eine. Zahlen das andere. Sie sprechen eine deutlichere Sprache. Sie lügen nicht. Schnörkellos stehen sie da -schwarz auf weiß. Ohne Ausreden. Ohne Subjektivität.

Um eben jenes Gefühl mit Fakten zu belegen machte ich mich auf der Suche nach Zahlen - den Seitenstatistiken des Netzwerk-Klons. Am besten bei jemanden, der sich damit auskennt: Die Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V. - kurz IVW:

Seit 1949 ermittelt und prüft die IVW neutral und objektiv die Verbreitung von Werbeträgern. Sie liefert mit ihren Arbeitsergebnissen zuverlässige Daten für Verbraucher, professionelle Werbungtreibende und für den Leistungswettbewerb der Medien untereinander. Damit haben sich Medienanbieter, Werbungtreibende und Werbeagenturen ein effektives Kontrollsystem geschaffen, das unter ihrer gemeinsamen Aufsicht steht.

Die IVW mit Sitz in Berlin misst als staatlich unabhängige, nicht kommerzielle und neutrale Prüfinstitution für Online-Medien die Gesamtanzahl der Seitenabrufe und der einzelnen zusammenhängenden Nutzungsvorgänge von Web-Angeboten.

Neben Spiegel Online und ProSieben Online werden eben auch die Zahlen von studiVZ erfasst. Visits, PageImpressions, PI pro Visit, um nur die wichtigsten erfassten Ziffern zu nennen.

Fast ein Viertel weniger Seitenaufrufe seit Jahresbeginn

Wichtiger werden sie hingegen noch, wenn man sich diese genauer anschaut und den Zeitverlauf analysiert: Die für die Werbewirtschaft wichtigen Kennziffern der Seitenaufrufe (PageImpressions) und Seitenaufrufe pro Besucher (PI pro Visit) sinken beim Netzwerk-Plagiat seit Jahresbeginn kontinuierlich - sich brechen regelrecht ein.


Abwärtsstrudel: Seit Jahresbeginn 1/4 PageImpressions weniger.
(Grafik frei verwendbar unter CC-Lizenz)

So wurden im vergangenen Monat Juni fast ein Viertel weniger Seiten aufgerufen, also noch im Januar 2008 (s. Grafik: PageImpressions). Das ist kein Rückgang - das ist ein Einbruch!


Gibt viel zu tun: Aktivität pro User sinkt kontinuierlich sein Jahresanfang.
(Grafik frei verwendbar unter CC-Lizenz)

Die Seitenaufrufe pro Besucher brechen ebenfalls ein - satte 17% weniger als noch zu Jahresbeginn (s. Grafik: PI pro Visit). Schaut man sich dann die IVW-Zahlen vom Juni und deren Veränderung zum Vormonat Mai an, wird deutlich, dass die Besuche in diesem Zeitraum um 8,42% und die Seitenaufrufe um 10,81% zurückgingen (s. Tabelle).


Die Zahlen im Überblick (click to enlarge).
(Grafik frei verwendbar unter CC-Lizenz)

Diese Zahlen belegen damit sehr eindrucksvoll, dass es beim Klon-Kandidaten aus Berlin ruhiger geworden ist.

Klar, die CampusCaptains und studiVZ-Praktikanten werden mir ein letztes Mal vorhalten, dass der Zahlen-Schwund saisonbedingt und das gute Sommerwetter schuld seien.

Zu Unrecht.
Denn Spiegel Online legt seit Jahresbeginn in den PageImpressions 7,36% zu.

Eiskalte Zahlen also, ganz ohne Gefühle - die aber ein selbiges bestätigen. Ob man bei diesen Zahlen an der Saarbrücker Str. in Berlin noch ruhig schlafen kann? Oder hat man gar selbiges die letzten Monate getan? Oder ist es nur der Lauf der Dinge - jenes Naturgesetz, dass früher oder später der Konsument vom Plagiat, von der billigen, unsicheren Kopie ablässt und sich ein Original leistet?

Leider sind die facebook-Zahlen für Deutschland nicht bekannt. Mich tät’ es indes nicht wundern, stiegen diese in den letzten Monaten …

Auch wenn die letzten Plagiat-Anhänger diesen Zahlen trotzen - die Werbewirtschaft wird sie mit Argusaugen beobachten.

Ich auch.

Nachtrag: Den Artikel und Diskussionen gibt’s auch bei Readers Edition.

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12 Responses to “studiVZ Zahlen brechen fast 25% ein.”

  1. Paul on July 10, 2008 22:57

    In facebook hast du noch mehr Möglichkeiten, die Zeit tot zu schlagen. Die unzähligen Flirtprogrämmchen, Spielchen und Gimmicks. Davon träumt ein StudiVZ sicher nicht nur nachts. Ich bin schon lange nicht mehr aktiv bei StudiVZ aktiv, als ich merkte, dass ich bei den heißen Biatches nicht landen konnte. Seitdem versuche ich es im RL und siehe da - Erfolg hat sich noch nicht eingestellt, aber ich schätze irgendwann tappt eine Unvorsichtige in die Bärenfalle.

  2. matze on July 10, 2008 23:02

    ich stimm dir ja im großen und ganzen zu (außer dass bei mir im freundeskreis fast keiner bei facebook ist), aber zumindest der schwund bei den PIs insgesamt lässt sich äußerst einfach erklären: meinVZ.

  3. Paul on July 10, 2008 23:13

    Da ja männliche NutzerInnen (Danke ihr Feministinnen dieses Landes für diese merkwürdigen Stilblüten) hauptsächlich von ihren Begattungsphantasien angetrieben werden, im VZ rumzupirschen, bleibt die Frage: Was treibt weibliche VZlerInnen (Toll!) an, zu netzwerken. Kochrezepte austauschen, die Suche nach dem Traumtyp, Quasseldrang oder auch ein latenter Reproduktionszwang .

  4. Webnews.de on July 10, 2008 23:15

    studiVZ Zahlen brechen ein!…

    So wurden im vergangenen Monat Juni fast ein Viertel weniger Seiten aufgerufen, also noch im Januar …

  5. bagblog.de on July 11, 2008 13:13

    da stimme ich Matze vollkommen zu. Die Eröffnung von meinVZ und die aktive Aufforderung zum Umzug - spielt sicher auch mit. Diese Beeinflussung der PIs fehlt mir in der Betrachtung.

  6. Tino Seeber on July 11, 2008 17:09

    @bagblog.de: Interessanter Hinweis mit meinVZ.

    Die Betrachtung fehlt mit Absicht - da es keien Zahlen dafür gibt. Mit Freunden habe beim Verfassen des Textes darüber diskutiert, ab der immense Schwund auf den Wechsel zu meinVZ zurückzuführen sei.

    Da meinVZ via IVW anders als z.B. schuelerVZ nicht gesondert ausgewiesen wird, nehmen wir an, dass meinVZ noch zusammen mit den studiVZ Zahlen erfasst wird.

    Zweitens ändert sich dabei nicht die Aussage, dass die PI vom Netzwerk-Plagiat drastisch eingebrochen sind.

    Drittens ist meinVZ ein Flop. Weder sind 25% der Mitglieder dorthin gewechselt (angenommen, es gäbe eine gesonderte Zählung und Ausweisung der PI, welche einen solchen Einbruch durch den Wechsel erklären könnten), noch wären es die besonders aktiven User. Die nämlich sind 20 und weiblich - also ganz und gar nicht die Zielgruppe vom Flop meinVZ.

  7. PatJe.de » Facebook ist besser als studiVZ on July 12, 2008 22:07

    [...] (Grafik von nyblog.de - Lizenziert unter CC-Lizenz) [...]

  8. studiVZ feat. meinVZ - Die Zahlen. | NYblog on July 15, 2008 12:38

    [...] PIs - auch wird der geneigte Mathematiker sehr schnell erkennen, dass 841 PIs bei weitem nicht den PI-Verlust bei studiVZ seit Jahresanfang [...]

  9. juny on July 19, 2008 13:29

    [...] also noch im Januar 2008 s. Grafik: PageImpressions. Das ist kein R??ckgang - das ist ein Einbruch!http://nyblog.de/index.php/tino-seeber-studivz-zahlen-brechen-fast-25-ein/MySpace.com - Juny - 36 - Male - Jakarta - http://www.myspace.com/junydjMySpace profile for juny with [...]

  10. Na endlich: facebook verklagt studiVZ! | NYblog on July 19, 2008 22:05

    [...] wissen. Gleich gilt nicht nur für den Plagiatsvorwurf bzw. das Urheberrecht, sondern auch für Trends und Zahlen, wie BlogWave jetzt auch via GoogleTrends eindrucksvoll [...]

  11. Holtzbrinck wird ungelduldig … at NYblog on February 15, 2009 18:50

    [...] “Wer kennt Wen” mehr Seitenaufrufe, als die rote Facebook-Kopie aus Berlin. Der Trend war ja abzusehen … vielleicht hätte man jemanden fragen sollen, der sich damit auskennt … [...]

  12. Christoph Inessaw on October 30, 2009 16:20

    Kaum vorstellbar diese Meinungen

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