Goodbye Madrid.
2 Jahre Madrid.
Mir bleiben also noch genau 20h bis ich spanischen Boden verlasse.
24h um Abschied zu nehmen. Heute habe ich noch ein letztes Mal unterrichtet, Geschenke und ein Wahnsinns-Empfehlungsschreiben bekommen und noch ein Mal durch Madrid gelaufen, mir alles angeschaut, 7h die Sonne genossen und Abschied genommen.
24h um zu resümieren. Was hat mir der Auslandsaufenthalt gebracht. Was mag ich an Spanien? Mit welchen Eigenheiten komme ich bis heute nicht klar? Wie hat sich langsam aber sicher in die anfängliche Erasmus-Party-Euphorie der Alltag eingeschlichen? Wie hab’ ich mich verändert?
Nun, über diese Dinge habe ich schon oft nachgedacht. Allein aufgeschrieben habe ich sie noch nie. Genug Zeit zum Nachdenken hat man ja beim Laufen genug. Aber nicht nur dabei. Auch wenn ich durch die Gassen gehe, im Supermarkt einkaufe oder einfach im Park die Menschen beobachte, denke ich drüber nach - wie mich Spanien geprägt hat.
Nun, wie schon erwähnt, waren die ersten 6 Monate durch Parties, vielen neuen, interessanten und internationalen Freunden und diesen gesamte Eramus-Dingens geprägt. Feiernd in unsere damaligen WG und anderen, Strassenspanisch lernend und die Kultur der iberischen Halbinsel entdeckend verging das erste halbe Jahr wie im Fluge.

Halloween in Madrid.

WG Party: Damien.

Ostern in Spanien: Semana Santa.

Madrid Retiro Park: Amigos.

Silvester 06/07 im Zentrum Madrids - im Zentrum Spaniens.

Erasmus-Party-Zeit: Wer findet das Wortspiel?
Das zweite Semester war geprägt mit der Planung und Umsetzung meiner Diplomarbeit. Erste Freunde verließen Madrid - ihr Erasmusstipendium ging nur 6 Monate. Die meisten jedoch blieben ein Jahr. Gleichzeitig sprach sich mein Name an der Deutschen Schule Madrid herum und Anzahl meiner Zöglinge verdreifachte sich von 2 auf 6 pro Woche.

Madrid, Uni und so …
Im Juli 2007 war die Diplomarbeit geschrieben und ich hatte mir einen Urlaub verdient. Backpacking in Marokko und einige Wochen Deutschland standen auf dem Programm. Madrid wurde indes auch leere. Erasmus-Freunde, mit denen man seit einem Jahr gelebt gefeiert und gelernt hatte, kehren zurück in Ihre Heimat. Ich bin jetzt kein Student mehr. Karrere machen reizt mich noch nicht. Ich möchte noch etwas die Sonne genießen. Sauge Wissen auf, sitze im Café und lese viel - Bohemien Livestyle. Mittlerweile unterrichte ich bis zu 11 Kinder in der Woche. Zu viel - denn ich möchte noch Spaß dabei haben. Ich beschränke mich auf 8 in der Woche - 15h pro Woche reichen. Nebenbei beginne ich mit einer Buchversion meiner Diplomarbeit.
Januar 2008 wächst in mir der Wunsch, nach Deutschland zurückzukehren. Deutschland oder die Schweiz. Ich vermisse die Freundlichkeit, die Bildung und die gute Erziehung. Dieses ist leider in Spanien Mangelware. Man weiß erst, wie gut man es in Deutschland hat, wenn man mal länger im Ausland gelebt hat. Wer sich über unfreundliche Kassiererinnen in Deutschland beschwert, soll mal nach Spanien kommen …
Spanische Langsamkeit mag ja ganz angenehm sein - und sie hat mich in jedem Fall auch ruhiger und gelassener gemacht. Aber an eins konnte ich mich nie gewöhnen - die Rücksichtslosigkeit der Spanier. Sie denken nur an sich - bleiben im Weg stehen. Nicht, dass sie es böse meinen - allein sie merken es nicht. Ein andere Spanier merkt das auch gar nicht, wenn da jemand einfach im Eingang eines Ladens selbigen versperrt, weil er sich mit einem anderen grad so schön unterhält. Oder noch besser, wenn der Spanier direkt am Ende der Rolltreppe stehen bleibt, um erst mal zu überlegen, wohin er denn will. Dass noch anderen hinter ihm sein könnten - ist ihm einfach nicht bewusst.
Ich habe das daher ausgiebig beobachtet und analysiert, warum er das nicht merkt: Weil er es nicht beigebracht bekommt. Deutsche Eltern nehmen zum Beispiel ihr Kind zur Seite oder ermahnen es, Platz zu machen, wenn jemand vorbei will. Nicht so in Spanien. Die Erziehung von Hause aus ist allgemein deutlich ausbaufähig. Mag sein, dass ich zu spießig bin - aber ich halte es für anstandslos beim Essen zu schmatzen. Was Spanier davon halten, wird deutlich, wenn man weiß, dass es für das deutsche Wort “schmatzen” gar kein spanischen Pendant gibt …
Dass der Spanier Entgegenkommen und Anstand gegenüber Fremden (z.b. auf der Straße) kennt, wird besonders in Folgender Situation deutlich, die mir jedesmal passiert: Ich sehe, dass jemand irgendwo vorbei möchte und warte - ich lasse ihm gerne den Vortritt. Nordeuropäer würden meine Geste verstehen udn ebenfalls hinter mir warten - nicht so Spanier. Die merken gar nicht warum ich warte und drängeln sich einfach vor - ich könnte ja einfach so wie viele von Ihnen einfach so in der Gegend rumstehen. Mit diesem Verhalten und anderen Eigenarten, die meines Erachtens auf fehlender - oder “anderer” Erziehung beruht, nicht ich nie klar gekommen. Mich nervt das - nein, mich ärgert sowas.
Ich merke, dass dies kein Land ist, in dem ich ewig bleiben will. Dazu ist der Verdienst mager, die Mieten und Lebenshaltungskosten doppelt so hoch wie in Deutschland. Ich plane 3 Projekte und setzte mir eine Deadline. Die Verfolgung und Umsetzung dieser Projekte prägen die letzte Phase meines Auslandsaufenthaltes. Sicherlich gibt es auch Dinge, die ich vermissen werde - die Spanierinnen und die Sonne. Anmerken möchte ich außerdem, dass ich mich bei den spanischen Familien meiner Kiddies immer sehr sehr wohl gefühlt habe, herzlich empfangen wurde und oft zu Tisch geblieben bin. Diese Familien waren und sind aber die oberen 10.000 Madrids - und somit eine Ausnahme.
Projekt 1: Buch
Projekt 2: Job
Projekt 3: Marathon
Projekt zwei ist also die Rückkehr nach Deutschland, Job, Karriere und Kinder. Nun ja, ich werde 30. Ich sollte mal anfangen. Meine Kinder hier werde ich vermissen. Sehr sogar. Sie haben mich geprägt und ich hoffe sie können selbiges auch von mir sagen. Sie haben mir gezeigt, was ich am Besten kann: Motivieren und auf Menschen eingehen. Komplexe Sachverhalte einfach erklären. Leyre wendet heute lieber die Quadratische Ergänzung an (als die p-q Formel) zur Lösung quadratischer Gleichungssysteme … Auch ich habe eine Menge gelernt: 10 Jahre nach meinem Physik und Mathe Abitur ist mein analytischer Verstand und die mathematische Problemlösungsgabe schärfer als je zu vor. Als Lehrer ist man eben anders motiviert.

Seit Beginn und ansteckend: der obligatorische Sprung!

Unterirdisch: Georg und Damien.

Salto familiar.

Meister.

Leyre springt.

Timetunnel.

Besuch aus Ilmenau: Niko & Nico

Ventas: Stierkampfarena
Wer im Ausland lebt, bekommt zudem eine andere Sicht auf seine Muttersprache. Wir plappern einfach unsere Deutsch hinaus ohne viel darüber nachzudenken. Deutsch ist für mich etwas fremder geworden. Mag sein, dass dies für andere Studenten hier nicht zu trifft. Vielleicht hängt es auch eher damit zusammen, dass man als Deutschlehrer für ausländische Kinder die Sprache automatisch ganz anders sehen muss. Wir nutzen den Dativ und Akkusativ intuitiv. Dass es dafür feste Regeln und bestimmte Präpositionen wie z.B. vor, über, auf, mit etc. gibt, wissen die Wenigsten. Und gefährlich wird es bei Wechselpräpositionen, wo einmal der Dativ, ein anderes Mal der Akkusitiv stehen kann - von der akkuraten Bildung und Verwendung des Konjunktiv I und II einmal ganz abgesehen … Die Rolle des Lehrers hat daher auch sehr viel für mich gebracht. Paradoxerweise habe ich im Ausland dadurch die Deutsche Sprache und ihre Feinheiten besser kennen gelernt, als man sie in Deutschland lernen kann.
Wechselpräposition “auf”:
- ich stelle die Vase auf den Tisch (Akk.)
- die Vase steht auf dem Tisch (Dat.)
Erklär das jetzt mal einem Nicht-Deutsch-Muttersprachler …
Mir bleiben noch einige Stunden bis der Flieger geht. Dies ist der letzte Blogeintrag aus Madrid. Der Mac ist als Letztes noch nicht eingepackt. Ich freu’ mich riesig auf Deutschland und meinen Job. Ich habe eine klasse Wohnung direkt - und ideal zum Laufen direkt nebem einem Park.
Und was wäre ein so bedeutender Eintrag ohne Bilderrätsel? Genau! Wer die Stadt, besser der Stadtteil (wo der Park ist) errät, erhält ein handsigniertes Buchexemplar (ich verhandele nochmal mit dem Verlag über Freiexemplare für meine Leser^^ …).

Neue Heimat Deutschland: Wo?
9 Responses to “Goodbye Madrid.”
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Tino Seeber - Goodbye Madrid….
2 Jahre Ausland. Zeit für Neues!…
das ist der spreepark, im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick.
der ist nur leider zu.
aber der zaun soll sich auflösen…
http://de.wikipedia.org/wiki/Spreepark
Glückwunsch zum Job, ich glaube es würde auch andere freuen zu erfahren, was in Berlin Deine neue Aufgabe sein wird.
Zur Auflösung:
Berlin
Google Earth
52°29′8.15″N
13°29′24.47″O
Grüße, Sepp
hmm, mist, wer war denn da schon wieder schneller …
Na
Ich denke du bewertes Spanien zu kritisch, erst wenn du die ganzen ruhige, kalte und extrem hoefliche deutsche trifft wirst du das merken. Das mit Spanier unhoeflich… naja
Ma dann viel Glueck in Deutschland aber ich erwarte schon, dass du bald die Nase voll mit deinen Landsleute haben wirst. Naja damit du weisst im unhoeflichen Spanien werden wir dich trotzdem mit “brazos abiertos” erwarten.
Viele Gruesse aus Mailand
L.
Wünsche einen guten Start in Deutschland und viel Erfolg im neuen Job.
Hab den Eintrag erst heute gelesen und weil er sich so schön liest gleich drei Mal! Ich liebe deinen Schreibstil und freu mich schon auf die neuen Blogeinträge von deiner neuen Heimat!
Berlin-Spandau ? ?!?
Der Ort mit den Gitterstäben?
Nej, im Osten!